Der Garten von Gerd Kainz in Weiler im Allgäu ist nicht riesengroß, aber ausreichend groß um ein kleines blühendes Paradies zu erschaffen.

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Ungefähr 500 Quadratmeter Rückzugsgebiet für Tiere und selten gewordene Wildpflanzenarten, die man in der eher mäßig intensiven Grünland-Weidefläche drum herum trotz allem kaum noch finden wird.

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Gerd hat auf eine Art ziemlich viel Glück mit seinem Garten. Er ist hübsch gelegen, am Rand eines kleinen Dörfchens im Westallgäu. Nach zwei Seiten schließt sich Grünland an. Auf einer Seite kommen die Kühe sogar direkt bis zum Robinienholz-Gartenzaun.

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Der Garten ist also schon mal wunderschön in die Landschaft eingebettet - man kann von ihm aus sogar direkt loswandern, hinein in die Hausbachklamm.

Bei Gerd treffen sich Naturbegeisterung und Lebensfreude. Dies spiegelt sich bei dem ausgebildeten Gärtnermeister im Garten- und Landschaftsbau mitunter in seinen Aktivitäten als Naturgartenberater und -Gestalter. Unterstützt wird er von seiner Partnerin Kerstin, die ihr Faible für Wildblumen als Allgäuer Blühbotschafterin auslebt und einbringt.

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Zum Beispiel ist ihm in den Sinn gekommen, dass ihm die Rasenfläche vor dem Haus doch etwas zu langweilig daherkam. Er hat also im vergangenen Jahr, während des Corona-Sommers, als ohnehin kein Urlaub in Aussicht war, den fetten Oberboden der Wiese abgeschält und anschließend Kiesschotter (0 - 40 mm) in einer Schichtstärke von ca. 7 cm aufgebracht. Im August 2020 hat er dann in diesen Schotter autochthones, also regionaltypisches Wildblumen-Saatgut von Rieger-Hofmann eingesät. Und zwar ohne vorher die üblicherweise angesagte Grünkompostschicht von 2 cm einzuarbeiten. Das hat mich doch etwas erstaunt, aber die Methode hat vorbildlich funktioniert.

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August 2020

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August 2021

Genau ein Jahr später, im August 2021, war ich vor Ort zur Gartenprämierung und konnte den Spätsommeraspekt mit Wilder Möhre, Färberkamille, Wiesenflockenblume und versprengten himmelblauen Wegwarten genießen.

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Hier prangt sie, die Plakette in „gold"

Für denjenigen, der es nachmachen will: Hier der Link zur Gartenprämierung. Entscheidende Kriterien für eine Prämierung sind eine Bepflanzung mit vielen einheimischen Wildpflanzen, Strukturvielfalt und natürlich ein Garten in dem keine Gifte verwendet werden. Im „Quick-Check" könnt ihr herausfinden, ob euer Garten die Kriterien erfüllt oder ob ihr noch etwas nachlegen müsst.

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Wieseninsel neben der Einfahrt - hier hat Gerd die Natur einfach mal 'machen lassen'

Es sind immer die Bewohner, die einen Garten prägen. Ihre Vorlieben, ihre Kenntnisse, ihre Kreativität und ihr Mut. Natürlich spielt auch das Zeitbudget eine Rolle. Vor allem aber Mut braucht es zuweilen, um sich von zwar weit verbreiteten, aber auch sinnlosen Konventionen zu verabschieden.

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Wenn Standards von Marketingabteilungen der Bau- und Gartenmärkte gesetzt werden, hat das mit Gartenkultur meistens überhaupt nichts mehr zu tun. Trotzdem laufen viele denen hinterher, einfach aus Mangel an Einfällen und an echten Vorbildern. Dann begegnen einem, mal mit Efeuranken, mal mit Gabionenimitat verzierte, monströse Kunststoffwände als Abstandhalter zur Straße oder zum Nachbarn. Seltsamerweise trifft man im echten Leben nie auf Leute, die solche Peinlichkeiten begehen.

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Bei Gerd und Kerstin im Garten ist man dagegen überrascht von den vielen kreativen Einfällen, die sie schnurstracks und zwanglos in die Tat umsetzen: Trockenmauern allüberall, Totholzelemente, kunstvoll gestaltet oder einfach als monumentale Wurzel oder Baumkrone in der Blumenwiese. Sehr hübsch und divers gestaltete Wege mit ganz unterschiedlichen Steinen. Klinker reiht sich an gebrauchten Granit, gesammelte Flusskiesel liegen neben Porphyr und Marmor, und dazwischen sind die Fugen mit Mauerpfeffer und Thymian bewachsen.

Lauschige Sitzplätze, Wildbienenhotels in Buchenklötzen und aus Keramikmaterial, Gemüse, Küchenkräuter und Wildstauden in friedlicher Eintracht mit Beerensträuchern und Obstgehölzen.

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Stück für Stück sind mit den Jahren immer mehr Strukturen, ist immer mehr Naturnähe entstanden.

Das sehen auch die Wanderer, die auf dem Camiño unterwegs sind, der zufälligerweise oberhalb von Gerds Gartenstück direkt nach Santiago de Compostela führt. Die meisten zücken begeistert die Kamera und wenn die Gärtner grade am Werkeln sind, halten sie gerne ein kurzes Schwätzchen mit ihnen.

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Vielleicht lässt sich mancher von ihnen von Kerstin und Gerds bunt-blühender Insel so beeindrucken, dass irgendwo weit weg ein neuer wilder Garten entsteht und damit ein weiterer Trittstein mit dem sich die Tiere und Pflanzen in unserer strukturarmen Landschaft vernetzen können.

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